Götiker
Magie
📖 Beschreibung
Was ein Götiker ist
Wo der Priester um Gunst bittet, handelt der Götiker. Er beschwört Dämonen — nicht als Metapher, sondern als Transaktion. Er bietet Schmerz, Blut und Teile von sich selbst an, und die Dämonen liefern Macht im Gegenzug. Es ist ein fairer Tausch, auf seine Art. Man bekommt, was man bezahlt. Man bezahlt mehr, als man dachte.
Götiker regenerieren keinen Pokus durch Rasten. Pokus entsteht ausschließlich durch Opfer: eigenes Blut, fremdes Blut, erlittener Schmerz ohne Gegenwehr. Der Körper des Götikers ist das Werkzeug und der Preis gleichzeitig. Was er gewinnt, gewinnt er durch das, was er verliert.
Der erste Dämonenpakt
Kein Götiker wird es als Plan beschreiben. Es passiert anders. Es passiert in einem Moment, in dem jemand so verzweifelt ist, dass er Dinge in Betracht zieht, die er vorher nicht in Betracht gezogen hätte. Nicht immer eigene Verzweiflung — manchmal die Verzweiflung über jemand anderen, über eine Situation, über eine Ungerechtigkeit, die sich auf keine andere Weise beheben lässt.
Der erste Pakt ist selten dramatisch. Kein loderndes Feuer, kein höllisches Lachen. Eher ein Flüstern an der Grenze des Wahrnehmbaren, das eine Frage stellt. Und dann eine Stille, in der die Person entscheidet, ob sie antwortet. Wer antwortet, hat den ersten Schritt getan. Der Schritt zurück existiert nicht mehr.
Bei jedem Dämonenruf sinkt ein Begabungswert permanent. Das ist kein Fluch — es ist die Mechanik des Tausches. Der Götiker gibt ein Stück von sich selbst, und das Stück wächst nicht nach. Irgendwann fällt ein Wert auf null. Was dann passiert, ist unklar. Manche Götiker verschwinden einfach. Manche werden zu etwas, das man nicht mehr als Menschen bezeichnet. Jeder Götiker weiß das. Jeder macht weiter.
Es gibt eine Legende — nicht beweisbar, aber hartnäckig — über einen Götiker, der alle seine Begabungswerte bis auf einen abgetauscht hatte und trotzdem weitergemacht hat. Was aus ihm wurde, wird in verschiedenen Versionen erzählt. Keine ist angenehm.