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Atheismus

Religion

📖 Beschreibung

Was sie glauben

Ein Atheist glaubt nicht, dass es Gott gibt. Das ist im Jahr 1618 keine Meinung, die man laut äußert — nicht weil es keine Atheisten gibt, sondern weil die Konsequenzen zu schwer sind. Gottlosigkeit ist im kirchlichen Recht ein schweres Vergehen, in manchen Regionen ein todeswürdiges. Ein überzeugter Atheist, der seinen Überzeugungen öffentlich Ausdruck verleiht, lebt gefährlicher als die meisten Hexen.

Atheisten des 17. Jahrhunderts kommen meistens auf verschlungenen Wegen zu ihrer Position. Selten durch einen einzigen Gedanken, häufiger durch eine Anhäufung von Beobachtungen, die sich nicht mehr mit dem Gottesglauben vereinbaren lassen. Die Kirche predigt Nächstenliebe und segnet Heere. Gott soll gerecht sein, aber unschuldige Kinder sterben während Tyrannen alt werden. Das Böse in der Welt ist zu groß, zu systematisch, zu unverteilt, um mit einem gütigen und allmächtigen Gott in Einklang zu bringen. Wer diese Schlüsse zieht und nicht zurückrudern kann, wird Atheist — nicht als Wahl, sondern als Konsequenz.

Manche kamen durch Naturbeobachtung dorthin: Die Welt funktioniert nach Regeln, die sich beschreiben lassen, ohne Gott zu benötigen. Planeten bewegen sich nach Gesetzen. Krankheiten breiten sich nach Mustern aus. Was erklärbar ist durch Ursache und Wirkung, braucht keinen Schöpfer dahinter. Diese Haltung ist selten im Jahr 1618 — die Wissenschaft steckt noch in den Anfängen — aber sie existiert, in den Briefen von Gelehrten, die einander vorsichtig schreiben und keine Namen nennen.

 

Wie sie auf Magie reagieren

Atheisten stehen vor einem besonderen Problem, wenn sie magischer Begabung begegnen: Sie können sie weder als göttliches Wunder noch als teuflischen Pakt erklären — und müssen deshalb eine dritte Erklärung finden oder zugeben, dass sie keine haben. Das zweite fällt den meisten leichter, als man denkt. Wer schon einmal die Ehrlichkeit aufgebracht hat zu sagen 'Ich weiß nicht, ob es Gott gibt', kann auch sagen 'Ich weiß nicht, was das ist, aber es ist offensichtlich real'.

Atheisten können magisch Begabten gegenüber eine pragmatische Gleichgültigkeit entwickeln, die für Begabte erfrischend ist. Kein Misstrauen, das aus Glaubensfragen stammt. Keine Angst vor der Seele des Begabten. Die Fähigkeit ist da, sie wirkt, sie hat Konsequenzen — das ist alles, was zählt. Ob das Freundschaft erzeugt oder nur Nützlichkeit, hängt vom Menschen ab, nicht vom Atheismus.

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Typ: Religion


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