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Muslimisch

Religion

📖 Beschreibung

Was sie glauben

Der Islam ist die jüngste der drei großen abrahamitischen Religionen, entstanden im frühen 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel durch die Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von dem Erzengel Gabriel empfing. Diese Offenbarungen wurden im Koran gesammelt — dem direkten Wort Gottes, unveränderlich, in keiner Sprache außer dem arabischen Original vollständig übersetzbar. Im Zentrum steht das Schahada, das Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet.

Der Islam kennt keine Priesterklasse als unersetzliche Vermittler. Jeder Gläubige tritt direkt vor Gott — durch das Gebet, durch die Befolgung der Scharia, durch das bewusste Ausrichten des eigenen Lebens auf Gott. Die fünf Säulen strukturieren dieses Leben: das Glaubensbekenntnis, das fünfmal tägliche Gebet in Richtung Mekka, das Fasten im Monat Ramadan als Zeichen von Demut und Disziplin, die Zakat, die Pflichtabgabe für Bedürftige, und die Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Muslim, der es sich leisten kann, einmal im Leben durchführen soll.

Das Osmanische Reich, das im Jahr 1618 von Konstantinopel aus regiert wird, ist eine der mächtigsten politischen Kräfte der bekannten Welt. Es umfasst weite Teile Südosteuropas, Nordafrikas, Ägyptens, des Nahen Ostens und der arabischen Halbinsel. Seine Grenzen reichen bis nach Ungarn — und damit an das Heilige Römische Reich heran. Zwischen den Reichen gibt es Krieg, aber auch Handel. Zwischen den Menschen gibt es Misstrauen, aber auch Zusammenarbeit. In den großen Handelsstädten des Reiches — Wien, Leipzig, Venedig — gibt es kleine muslimische Gemeinschaften: Händler, Gesandte, Gelehrte, Menschen auf der Durchreise und Menschen, die geblieben sind. Diskret. Eingebunden. Vorsichtig.

 

Wie sie auf Magie reagieren

Im Islam gilt Sihr — Zauberei — als streng verboten. Es ist eine der großen Sünden, weil Magie bedeutet, Kräfte anzurufen, die nicht von Gott kommen, und damit die direkte Beziehung zwischen Mensch und Gott zu gefährden. Die offizielle Haltung ist eindeutig. Die gelebte Realität komplizierter — wie immer.

Die islamische Gelehrtentradition hat über Jahrhunderte außergewöhnliche Beiträge zu Medizin, Astronomie, Mathematik, Philosophie und Alchemie geleistet — Bereiche, die im christlichen Europa oft als verdächtig nah an verbotenen Künsten betrachtet werden. Ibn Sina schrieb im 11. Jahrhundert einen medizinischen Kanon, der in europäischen Universitäten noch immer gelehrt wird. Al-Biruni beschrieb astronomische Phänomene, die europäische Gelehrte erst Jahrhunderte später bestätigten. Diese Grenze zwischen Wissenschaft und Magie ist im islamischen Denken an anderen Stellen gezogen als im christlichen, und was auf der einen Seite Teufelswerk ist, ist auf der anderen Seite Gelehrsamkeit. Wer in den Städten des Reiches Zugang zu diesem Wissen sucht, findet es manchmal bei muslimischen Gelehrten — und zahlt dafür nicht in Geld, sondern in Diskretion.

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